Der 1857 in Leipzig geborene Bildhauer, Maler und Graphiker gehörte zu den bedeutendsten Künstlerpersönlichkeiten an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Gleichermaßen verehrt wie umstritten galt Klinger insbesondere als Neuerer der von ihm als „Griffelkunst“ bezeichneten graphischen Künste.
Neben den klassischen Gattungen Malerei und Skulptur verfolgte Klinger das Ziel, Druckgraphik und Zeichnung, zwei künstlerische Ausdrucksformen, denen bis dahin eher ein vorbereitender oder vervielfältigender Charakter zugesprochen wurde, als eigenständige künstlerische Gattung installieren. Zu diesem Zweck verfasste er unter anderem die kunsttheoretische Schrift „Malerei und Zeichnung“, in der der Autor die Vorteile der „Griffelkunst“ herausstellte: „Die neuen Techniken erschlossen Quellen der Poesie, der Leidenschaft, der geistigen Vertiefung, die der Malerei und deren Schwesterkünsten nur selten, teilweise oft gar nicht zugänglich sind.“
Im Zentrum des graphischen Schaffens Max Klingers stehen vierzehn teils sehr umfangreiche Zyklen, die er – in Analogie zu den von ihm angewendeten musikalischen Kompositionsprinzipien – Opus I-XIV benannte.
In den innovativen Bildwelten dieser Werke behandelte Klinger alle großen Themen menschlichen Daseins.
Liebe, Tod und Leidenschaft, der Kampf der Geschlechter sowie der Zustand der Gesellschaft lieferten dem Künstler einen schier unerschöpflichen thematischen Fundus. Seine häufig zwischen Realität und Traumwelt oszillierenden Werke, in denen er die unterschiedlichsten Techniken und Stilmittel miteinander kombinierte, haben Generationen nachfolgender Künstler inspiriert.
Anhand von acht graphischen Zyklen aus allen Schaffensphasen bietet die Ausstellung einen breit gefächerten Überblick über das zwischen Realismus, Symbolismus und Jugendstil angesiedelte, stark persönlich gefärbte Schaffen Klingers.
Die Zyklen „Dramen“ und „Ein Leben“ sind dem gesellschaftskritischen Ansatz Klingers verpflichtet. Die „Rettungen ovidischer Opfer“ und die „Intermezzi“ dokumentieren die Auseinandersetzung mit der antiken Mythologie. „Eva und die Zukunft“ steht exemplarisch für die Beschäftigung mit der gesellschaftlichen Stellung der Frau. Die berühmte Serie „Ein Handschuh“ repräsentiert die stark assoziative und symbolgeladene Bildsprache des Künstlers. „Eine Liebe“ und „Vom Tode. Zweiter Teil“ stehen stellvertretend für die Themenkomplexe von Liebe, Sünde und Tod.
Zur Eröffnung am Freitag, 20. November, um 19 Uhr begrüßt Stadträtin Ursula Hefter-Hövelborn alle Interessierten. Die Einführung in die Ausstellung übernimmt Simone Scholten, Musik: Miklós Vajna, E-Piano.
Öffnungszeiten: dienstags bis donnerstags 17 bis 19 Uhr, freitags und samstags 17 bis 20 Uhr, sonntags 14 bis 19 Uhr. Ausstellungsdauer: 21. November 2009 bis 7. Februar 2010. Feiertagsregelung: 24., 25., 31.12.2009 und 1.1.2010 geschlossen, 31.12.2009 und 6.10.2010 geöffnet 14 bis 19 Uhr.
Eintritt: 3 Euro, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren frei.
Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Rahmenprogramm begleitet:
Öffentliche Führungen finden jeweils sonntags, um 15 Uhr, statt (außer 22.11., 20.12.2009).
29.1.2010, 19 Uhr, „Zwischen Traum und Wirklichkeit – Max Klinger im Spiegel der Literatur seiner Zeit“. Vortrag mit Literaturbeispielen (VHS)
5.2.2010, 19 Uhr, „Klinger Soirée – Kuratorenführung
6.2.2010, 14 Uhr, Stadtführung mit anschließender Ausstellungsführung (VHS)
Museumspädagogische Aktionen für Kinder und Jugendliche: Samstag, 5. Dezember 2009, 10 bis 13 Uhr, „Licht und Schatten“ für Kinder von fünf bis neun Jahren zu den Ausstellungen Max Klinger – Graphische Zyklen und Daniel Hausig. Farblicht.räume mit Peter Holl
Samstag, 16. Januar 2010, 10 bis 13 Uhr, „Die Geister, die ich rief“ für Kinder von acht bis 12 Jahren mit Peter Holl. Anmeldung unter 07191-340 700 (vormittags oder AB).
Führungen für Schulklassen oder Gruppen können unter Telefon: 07191 340700 gebucht werden.

