Klinger, dessen umfangreiches graphisches Werk derzeit in der Galerie Helferhaus präsentiert wird, gehört zu den bedeutendsten Künstlerpersönlichkeiten an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Durch die virtuose Kombination unterschiedlichster graphischer Techniken, die Vielfalt der dem Realismus, dem Symbolismus oder dem Jugendstil entlehnten stilistischen Mittel sowie die thematische Bandbreite der Zyklen zählt Klinger zu den wichtigsten Neuerern der graphischen Künste. Weil Klingers meisterhafte, die Kunst des 20. Jahrhunderts vorausahnende, Graphik am Ende des 19. Jahrhunderts dort ansetzt, wo der nach St. Louis ausgewanderte Apotheker Ernst Riecker aufgehört hat zu sammeln, ist der Erwerb der Serie für die Backnanger Sammlung eine wichtige und sinnvolle Ergänzung.
Die Vervollständigung und Ergänzung der Sammlung ist eine Verpflichtung, die sich aus der Annahme der Sammlung als Schenkung ergibt und der die Stadt Backnang – im Rahmen der bescheidenen finanziellen Möglichkeiten im Kunstbereich – mit gelegentlichen Käufen regelmäßig nachkommt. Dass Max Klinger, trotz seines herausragenden künstlerischen Beitrags für die Kunst an der Schwelle zum 20. Jahrhundert, ein tendenziell immer noch eher unterschätzter Künstler ist, schlägt sich bislang auch an den Marktpreisen nieder, was wiederum ein Glück für die Backnanger Kunstsammlung ist, die die zwölf Blätter der Serie zu einem moderaten Preis erwerben konnte.
Als begeisterter Musikliebhaber hat Max Klinger die 1881 entstandene Graphikfolge „Intermezzi“ (Opus IV) wie eine Symphonie aufgebaut. Der 12teilige Zyklus ist in vier „Sätze“ untergliedert, die das Verhältnis der Geschlechter, den Kampf ums Überleben, den Rückzug in die Natur und den Tod thematisieren.
Wie ein roter Faden ziehen sich die Landschaftsdarstellungen – mal aufgewühlte See, mal heroische Gebirgskulisse oder romantische Waldlandschaft – durch den inhaltlich nur locker verbundenen Zyklus und fügen diesen zu einem geschlossen Ganzen zusammen. Mit dem Blatt „Amor, Tod und Teufel“ knüpft Klinger an die Kunst des von ihm hochverehrten Albrecht Dürer an. Ein dramatischer Triumphzug aus Amor, Tod und Jenseits bewegt sich durch eine karge Alleenlandschaft. Der mit den Gesichtszügen Klingers ausgestattete Amor ist im Begriff, seinen Bogen zu spannen. Er bewegt sich auf einem geflügelten Einrad. Der auf einem Sarg reitende Tod treibt sein pferdehufiges Gefährt an. Am linken Bildrand scheint die zerzauste Jenseitsfigur in rasantem Tempo zum Überholen anzusetzen.
Im Rahmen der wöchentlichen Sonntagsführungen um jeweils 15 Uhr haben die Besucher Gelegenheit, die „Intermezzi“ sowie sieben weitere Graphikzyklen Max Klingers kennenzulernen.
Die Ausstellung ist jeweils dienstags bis donnerstags von 17 bis 19 Uhr, freitags und samstags von 17 bis 20 Uhr und sonntags von 14 bis 19 Uhr geöffnet und geht noch bis zum 7. Februar 2010. Während des Jahreswechsels ist die Ausstellung am 31. Dezember sowie am 1. Januar geschlossen. Der Eintritt beträgt drei Euro und ist für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren frei.
