Fagott/Fagottino

  Meist kennt man das Fagott gerade mal (wenn überhaupt) als den Großvater aus "Peter und der Wolf" oder als hüpfenden Besen aus dem "Zauberlehrling" in Walt Disneys Zeichentrickfilm „Phantasia“. Daß das Fagott noch mehr als "bob, bob, bob" machen kann, trauen die meisten Laien diesem "Heizungsrohr mit Strohhalm" gar nicht zu.
  
   Suchen sie mal das Wort „fagottini“ im Internet! Sie werden unzählige Rezepte für italienische Pasta finden! Im Folgenden soll jedoch der Begriff „Fagottino“ (Mehrzahl: fagottini) für kleines Fagott (Quintfagott) stehen und meint damit ein Fagott, das kleiner als das Orchesterfagott ist und mit Erfolg im Anfangsunterricht eingesetzt wird.
  
Das Instrument
 
   Das Fagott ist das tiefste Holzblasinstrument. Es besteht aus zwei parallelen Röhren aus Ahornholz, die am unteren Ende durch ein U-förmiges Rohr verbunden sind. Grifftechnisch ist es mit der Alt- oder Bassblockflöte zu vergleichen, jedoch werden die 5 Grifflöcher durch zahlreiche Klappen ergänzt.
   Es wird, wie die Oboe, mit einem Doppelrohrblatt angeblasen, das aus spanischem Schilf (lat. Arundo donax) gefertigt wird und zum Spielen auf einen Metallbogen gesteckt, welcher die Luft in das Fagott weiterleitet. Die Fagottisten bestellen ihr Schilfrohrholz zumeist in Südfrankreich und fabrizieren ihre Rohre mit Hilfe verschiedener Hobelmaschinen und einer Reihe von Spezialwerkzeugen selbst.
 
   Verwendung findet das Fagott vor allem im Sinfonieorchester und in der Kammermusik, dabei auch solistisch bei Vivaldi, Mozart, Weber und anderen. In der symphonischen Blasmusik ist das Fagott heute nicht mehr wegzudenken und sollte zweifach in jedem Blasorchester vertreten sein. Auch in der Operette und im Musical wird es eingesetzt, jedoch im Jazz praktisch nicht. Es herrscht fast immer und überall Fagottisten-Mangel, so daß dem Schüler viele Möglichkeiten offen stehen in Ensembles wie Schulorchester, Musikverein, Kirchen- oder Kammermusikkreis usw. mitzuspielen.
  
Voraussetzungen
 
   Die Spannweite der Hand soll den Fingern ein müheloses Erreichen aller Klappen und Tonlöcher am Instrument ermöglichen. Somit wird eine Auswahl zwischen Fagottino, Kinderfagott oder Orchesterfagott getroffen. Der Luftverbrauch beim Fagottblasen ist nicht besonders hoch. Schüler, die auf der Blockflöte schon Erfahrung mit Blas- und Fingertechnik gesammelt haben, müssen sich auf einen höheren Blaswiderstand einstellen. Die dazu nötige Stützkraft kann durch gezielte Übungen gekräftigt und schnell den Erfordernissen angepaßt werden.
 
   Neben der allgemeinen Musikalität aber ist es wichtig, daß regelmäßig geübt wird, damit sich Hand- und Körperhaltung stabilisieren und der Ansatz bilden kann. Für den langfristigen Erfolg ist immer entscheidend, daß das Erlernen dieses grifftechnisch recht komplizierten Instruments vom Elternhaus mit Interesse begleitet und gefördert wird gerade dann, wenn es nicht so recht weiter gehen will.
 
   Soweit verfügbar stellen die Musikschulen Leihinstrumente für den Anfang zur Verfügung, damit die relativ hohen Investitionskosten nicht vom Unterrichtsbeginn abschrecken.
 
Frühunterricht
 
   Kleinere Mitglieder der Fagottfamilie sind schon seit der chorischen Musizierpraxis der Renaissancezeit bekannt. Bereits 1843 unterrichtete der Musikpädagoge und Instrumentenbauer Carl Almenräder jüngere Schüler 2 bis 3 Jahre auf einem Fagottino um später auf das Fagott überzugehen. Der Erfolg gab ihm Recht, da die Kinder auf dem Fagott schon in kurzer Zeit erstaunliche Fortschritte machten. Seit einigen Jahren gibt es wieder Kinderinstrumente, die einen Beginn mit der Fagottausbildung schon im Grundschulalter ermöglichen.
 
   Für Kinder zwischen 6 und 9 Jahren ist das Fagottino in G (Quintfagott) optimal. Es kann mit seiner Größe von 80 cm und einem Gewicht von knapp einem Kilogramm mühelos als Einstieg dienen. Im Grundschulalter sind die Kinder, oftmals angeregt durch die Musikalische Früherziehung, recht motiviert ein Musikinstrument zu erlernen. Doch bisher mußten die Kinder lange warten, bis sie die nötigen physiologischen Voraussetzungen für das große Fagott erreicht hatten. In der Zwischenzeit verloren sie dann oft die Lust oder sie entschieden sich für ein anderes Instrument, mit dem sie gleich beginnen konnten.
 
   Ab etwa 8 bis 12 Jahren empfiehlt sich der Beginn mit einem Kinderfagott  (z.B. von Mönnig-Adler, Markneukirchen) oder ein Fagott mit kindgerechter Mechanik als Vorstufe zum Orchesterfagott. Das hat folgende Vorteile: das Kinderfagott ist leichter als ein normales Fagott, da es kürzer ist und weniger Klappen besitzt. Der Klang entspricht dem runden, weichen Fagottklang mit stabiler Intonation. Dabei kann es als vollwertiges Bassinstrument z.B. in der Kammermusik mit Blockflöten und im Orchester ohne Transponieren (Umschreiben der Noten) eingesetzt werden. Es hat nach unten denselben Tonumfang wie das Cello nämlich bis zum großen C. Damit kann neben der Originalliteratur auch leichte Literatur für Violoncello oder Posaune gespielt werden. Das Gewicht wird durch einen Tragegurt optimal auf den ganzen Oberkörper so verteilt, daß der Hals-Nacken-Bereich sowie die Wirbelsäule entlastet werden.
  
Unterrichtsziel

   Ziel des Unterrichts ist es dem Schüler die Spieltechnik des Instruments so zu vermitteln, daß er:
 
·       Spaß an Klang, Musik und Zusammenspiel hat
·       in einem Ensemble oder Orchester bestehen kann
·       beginnt eigene musikalische Vorstellungen umzusetzen
·       im Folgenden solistische Literatur für Fagott eingehend kennen lernen und selbst spielen kann.
 
Das schrittweise Korrigieren am Fagottrohr mittels Feile und Schleifpapier und für größere Schüler das Erlernen der Fagottrohr-Baus gehören zum Unterrichtskonzept.
 
Außerdem sind die Kenntnis einer fachkundigen Instrumentenpflege und das Reparieren kleiner Probleme von Vorteil.


  

Lehrer:

  • Detlef Reikow