Ausstellung „Hintergründig – Vor lauter Bäumen“ startet

Kupferstich "Drei Jäger und ein Hund bei einem Tümpel" von Aegidius Sadeler

Ab Dienstag, 5. Juli, ist die neue Ausstellung „Vor lauter Bäumen“ im Rieker-Raum des städtischen Graphik-Kabinett im Helferhaus, Petrus-Jacobi-Weg 5, zu sehen. Eine Auswahl von Blättern lenkt den Blick auf dichte Wälder, sonnenbeschienene Lichtungen, abgelegene Täler und schroffe Gesteinsformationen, die wesentlich zur Gesamtwirkung der Werke beitragen und die Bildmotive mit zusätzlicher Bedeutung aufladen.

Im Jahr 2022 steht das Ausstellungsprogramm des Graphik-Kabinetts ganz im Zeichen der Landschaftsdarstellung. Anknüpfend an die Auftaktpräsentation „Aus allen Wolken“, die sich auf die Schilderung des Himmels konzentrierte, stellt die folgende Schau die stimmungsvollen Naturstaffagen im Hintergrund der altmeisterlichen Graphiken aus der Ernst-Riecker-Sammlung in den Mittelpunkt der Betrachtung. Anhand hochkarätiger Blätter wie etwa von Albrecht Dürer, Lucas Cranach, Matthäus Merian, Anthonie Waterloo und Max Klinger zeichnet die Kabinettausstellung die Entwicklung der Landschaftsdarstellung vom späten Mittelalter bis in die frühe Moderne nach.
Der Eintritt in die Ausstellung ist frei. Die regulären Öffnungszeiten des städtischen Graphik-Kabinetts sind Dienstag bis Freitag von 17 bis 19 Uhr und Samstag und Sonntag sowie Feiertag von 14 bis 19 Uhr, ebenso an Feiertagen.

Landschaftsdarstellungen im Sinne der Wiedergabe eines Stücks Natur kommen erst im späten Mittelalter auf. Religiöse oder historische Themen werden nicht länger vor einfarbigen Hintergründen inszeniert, sondern in detailliert ausgestaltete Naturräume eingebettet. Während zunächst das Einstreuen einzelner Bäume oder Büsche ausreicht, um eine Szene im Freien zu verorten und eine Idee von Landschaft zu transportieren, wird die Vegetation in der Folgezeit zunehmend raumgreifender und realitätsnäher geschildert.
Im Zuge der voranschreitenden Bewirtschaftung und Zurückdrängung der Natur durch den Menschen, steigt das Interesse an einer genauen Naturbeobachtung. Die unberührte Landschaft wird zu einem Sehnsuchtsort: Sie fungiert nicht mehr als bloßer „Schauplatz“, sondern emanzipiert sich vielmehr zum vollwertigen Bildmotiv. Im Laufe des 17. Jahrhunderts wird die Landschaftsmalerei in den Stand einer eigenständigen Bildgattung erhoben, die der Porträt-, Genre- und Historienmalerei als ebenbürtig gilt.