Mobilitätsdrehscheibe Bahnhof Backnang: Barrierefreiheit und Neugestaltung Bahnhofsumfeld

Hintergrund

Der Umbau des Bahnhofs Backnang zur Mobilitätsdrehscheibe ist eines der herausragenden Zukunftsprojekte für unsere Stadt. Die Bedeutung des Bahnhofs zeigen ein paar Zahlen auf: vor der Corona-Pandemie nutzten täglich ca. 18.000 Fahrgäste das Zug- und Busangebot mit Regionalexpresshalt, Endpunkt von zwei S-Bahn-Linien sowie rund 20 Stadt- und Regionalbuslinien. Der Bahnhof ist Verknüpfungspunkt mit dem motorisierten und nicht motorisierten Individualverkehr und bildet damit den zentralen Mobilitätsknotenpunkt sowohl für die Stadt Backnang selbst als auch für die Umlandgemeinden. Der heutige Zustand der Verkehrsstation, der Verknüpfungsanlagen (Busbahnhof, Park+Ride, Bike+Ride, Taxi) und des Bahnhofsumfelds wird dieser Bedeutung weder funktional noch gestalterisch gerecht. Die Bahnsteige und ihre Zugänge sowie der zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) sind nicht vollständig barrierefrei ausgebaut. Der ZOB stößt zudem durch Taktverdichtungen sowie den Einsatz von Gelenkbussen an Kapazitätsgrenzen, woraus teilweise erhebliche Einschränkungen im Betriebsablauf sowie Sicherheitsdefizite für die Fahrgäste resultieren. Der Bahnhofsvorplatz ist geprägt durch ungeordnete Verkehrsabläufe und erhebliche gestalterische Mängel. Die Kapazitäten der Park+Ride-Anlagen sind nicht ausreichend, Stellplätze bzw. Vorfahrten für Taxen, Abholer sowie Kiss+Ride sind nicht eindeutig definiert. Dies führt zu Konflikten zwischen den verschiedenen, auf dem Bahnhofsvorplatz zusammentreffenden Funktionen.

Gesamtkonzeption

Mit der verkehrlich-funktionalen Konzeption „Mobilitätsdrehscheibe“ verfolgte die Stadtverwaltung für den Bahnhofsvorplatz und das nähere Bahnhofsumfeld drei zentrale Ziele:

  1. den Bahnhof Backnang städtebaulich besser integrieren
  2. die Funktionalität der Verkehrsverknüpfung deutlich erhöhen
  3. den Bahnhof wieder zu einem attraktiven, zeitgemäßen „Tor zur Stadt“ machen

Um diese Ziele zu erreichen, sieht die Gesamtkonzeption vier Module vor:

  1. Ersatz des östlichen Fußgängerstegs durch die barrierefreie Stadtbrücke mit vier Aufzügen und Zugängen zu allen Bahnsteigen.
  2. Modernisierung und Erhöhung des Bahnsteigs an den Gleisen 2 und 3 sowie Aufwertung der bestehenden Bahnsteigunterführung im Rahmen des von der Deutschen Bahn und dem Land Baden-Württemberg aufgelegten Bahnhofsmodernisierungsprogramms II.
  3. Errichtung eines neuen ZOB mit 12 unabhängig an- und abfahrbaren Haltepositionen an Stelle des Interimsparkplatzes. Dies erfordert eine Neuordnung der Verkehrsführung (u.a. Kreisverkehr als Zufahrt zum ZOB). In diesem Zusammenhang wird der gesamte Vorplatzbereich zwischen neuem ZOB, Bahnhofsgebäude und Park+Ride-Parkhaus neu gestaltet.
  4. Nachnutzung des heutigen ZOB zur Optimierung der Verknüpfungsanlagen für die übrigen Verkehrsträger. Dies umfasst Kurzzeit- und Kiss+Ride-Stellplätze, Car-Sharing-Standort, Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge, RegioRadStuttgart-Station, Bike+Ride-Anlage mit ca. 100 Plätzen sowie Bussteige für Reisebusse und Sonderverkehre (z.B. zum Stadion im Fautenhau).

Die Mobilitätsdrehscheibe stärkt mit der Stadtbrücke auch die Funktion des Bahnhofs als barrierefreies Bindeglied zwischen der Innenstadt und der Maubacher Höhe.

Städtebaulicher Wettbewerb

Zur Vorbereitung und Konkretisierung der Module 3 und 4 hat die Stadt Backnang im Jahr 2017 in Abstimmung mit der Deutschen Bahn einen städtebaulichen Wettbewerb mit 20 Teilnehmern aus dem gesamten deutschen Sprachraum durchgeführt. Die Aufgabenstellung umfasste auch Ideen zur Gestaltung der vorhandenen Hochbauten (Parkhaus, Bahnhofsgebäude) sowie für ein neues Parkdeck an Stelle des heutigen Parkplatzes Bürgerhaus. Ein 17-köpfiges Preisgericht aus renommierten Planungsfachleuten und Mitgliedern des Gemeinderats bestimmte im Februar 2018 die drei Erstplatzierten, die zu vertiefenden Verhandlungsgesprächen eingeladen und zur Abgabe konkreter Honorarangebote für die Planungsleistungen aufgefordert wurden. Nach mehreren Verhandlungsrunden wurde der Auftrag im Sommer 2020 an das Berliner Büro TDB Landschaftsarchitektur vergeben. Die zum Wettbewerb eingereichten Pläne des Büros können Sie unten herunterladen. (4,02 MiB)

Interimsparkplatz Güterschuppen

Um erste Verbesserungen umsetzen zu können, wurde der ehemalige Güterschuppen an der Ostseite des Bahnhofsvorplatzes abgebrochen. Auf der frei gewordenen Fläche ist ein Interimsparkplatz entstanden, der nicht nur 35 weitere Pkw-Stellplätze umfasst, sondern mit verschiedenen Elementen zur Verknüpfung der Verkehrsträger bereits einen Eindruck der Funktionen vermitteln soll, die die Mobilitätsdrehscheibe bieten wird:

  • Überdachte Fahrradstation mit Doppelstockabstellanlage (30 Stellplätze), abschließbarem Lade- und Schließfachschrank (12 Fächer) sowie Rad-Service-Säule
  • 28 zusätzliche abschließbare Fahrradboxen
  • Taxi-Vorfahrt mit 6 Stellplätzen
  • Car-Sharing-Station mit drei Stellplätzen (stadtmobil e.V.)
  • Ladesäule für E-Pkw mit zwei Ladepunkten
  • 4 Pkw-Stellplätze für Behinderte

Regionaler Mobilitätspunkt

Die Fahrradstation auf dem Parkplatz Güterschuppen ist Bestandteil des Interimskonzepts für den vom Verband Region Stuttgart geförderten Regionalen Mobilitätspunkt. Weitere Bausteine des Konzepts sind auf dem Bahnhofsvorplatz zwischen Unterführungszugang und ZOB geplant:

  • Informations-Terminal zu den Mobilitätsangeboten sowie zu wichtigen Einrichtungen, Kulturangeboten, touristischen Zielen und Veranstaltungen in Backnang
  • Verleihstation für das RegioRadStuttgart
  • Video-Reisezentrum der Deutschen Bahn (Option, Entscheidung Anfang 2021)

Die Realisierung wird im Lauf des Jahres 2021 angestrebt. Nach Fertigstellung der Mobilitätsdrehscheibe sollen die Radverkehrsfunktionen des Regionalen Mobilitätspunkts im heutigen ZOB zusammengefasst werden.

Stadtbrücke

Die Stadtbrücke ersetzt den heutigen Steg über die Gleise auf Höhe des früheren Güterschuppens und wird die Schnittstelle zwischen den einzelnen Funktionsbereichen der Mobilitätsdrehscheibe bilden. Sie wird mit vier Aufzügen erstmals barrierefrei den Zugang zu allen Bahnsteigen sowie die Verbindung zwischen Innenstadt und Maubacher Höhe ermöglichen. Entgegen der ursprünglichen Überlegungen für ein überdachtes Holzbauwerk ist die Entscheidung im Frühjahr 2020 zu Gunsten einer hinsichtlich Bau- und Betriebskosten günstigeren Stahlkonstruktion gefallen. Für diese liegt eine mit der DB AG abgestimmte Entwurfsplanung vor.

Ausblick

Soweit es die Pandemiesituation zulässt, planen wir für die zweite Jahreshälfte 2021 eine öffentliche Auftaktveranstaltung zur Realisierung des Gesamtprojekts Mobilitätsdrehscheibe Bahnhof Backnang. Dort wollen wir den Planungsstand aller Funktionsbereiche präsentieren und diskutieren. Ergänzend ist die aktive Einbeziehung der Bevölkerung, insbesondere der Nutzer des Bahnhofs, in Form von Workshops oder ähnlichen offenen Beteiligungsformaten vorgesehen. Die Umsetzung der einzelnen Module erfolgt abgestimmt mit dem Zeitplan der Deutschen Bahn für das Bahnhofsmodernisierungsprogramm und im Hinblick auf die verfügbaren Haushaltsmittel zeitlich gestaffelt voraussichtlich zwischen Ende 2021 und 2026/2027. Erste Vorarbeiten für die Stadtbrücke können nach aktuellem Planungsstand im Herbst 2021 beginnen, das Brückenbauwerk soll dann etwa ein Jahr später fertiggestellt sein. Im Anschluss folgen die Baumaßnahmen der Deutschen Bahn für das Bahnhofsmodernisierungsprogramm. Die Inbetriebnahme des erneuerten Bahnsteigs an den Gleisen 2 und 3 sowie der modernisierten Bahnsteigunterführung wird für den Fahrplanwechsel 2024/2025 angestrebt. Da die Bauarbeiten am Bahnsteig und an der Stadtbrücke „unter rollendem Rad“ erfolgen müssen, sind hier neben den erforderlichen Genehmigungsverfahren auch zeitliche Vorläufe für Sperrpausen der Gleise zu berücksichtigen. Den letzten Abschnitt werden der Neubau des ZOB, die Umnutzung des heutigen ZOB sowie die Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes bilden.

Typ Name Datum Größe
pdf 1004 1Preis TDB Plaene 17.12.2020 4,02 MiB