Stadtrundgang

Historische Sehenswürdigkeiten in Backnang

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A Bahnhof Backnang

A Bahnhof Backnang
Obere Bahnhofstraße 15
71522 Backnang
Bahnhof Backnang/(c) Alex Becher
Kurzbeschreibung

1876 Eröffnung der eingleisigen Eisenbahnstrecke Waiblingen-Backnang. 1877/78 Bau des ersten Bahnhofgebäudes. 1967 Elektrifizierung und zweigleisiger Ausbau der Strecke Stuttgart-Backnang. 1975 Ausbau der Strecke Stuttgart-Backnang. 1975 Neubau des  Bahnhofgebäudes. Ab 1981 S-Bahn-Anbindung nah Stuttgart. Ab 2012 nach Marbach.

Beschreibung

1844 erfolgte in Cannstatt der Spatenstich für den Bau der ersten Eisenbahnlinie in Württemberg. Sechs Jahre später war die Strecke von Stuttgart nach Friedrichshafen befahrbar.

Es folgten Linien nach Aalen und Heilbronn. Mit der Wahl von Friedrich von Dillenius zum Landtagsabgeordneten des Oberamtsbezirks im Jahr 1870 erhoffte man sich auch in Backnang eine baldige Anbindung an das Eisenbahnnetz, war dieser doch Direktor der württembergischen Verkehrsanstalten. Tatsächlich nahm das Projekt einer Verbindung von Waiblingen über Winnenden nach Backnang schon bald Fahrt auf. 1872 genehmigte der württembergische König Karl I. den Bau der Murrbahn, für den wegen der Topographie große Erdbewegungen notwendig waren. Am 26. Oktober 1876 konnte die eingleisige Eisenbahnstrecke von Waiblingen nach Backnang eröffnet werden. Zügig wurde der Weiterbau der Eisenbahnstecke nach Murrhardt vorangetrieben, die am 11. April 1878 zusammen mit dem neuen Backnanger →Bahnhof eröffnet werden konnte.

Am 8. Dezember 1879 folgte die Eröffnung der Bahnstrecke nach Marbach mit einer langen Brücke über das Maubachtal, wodurch Backnang zu einem Eisenbahnknotenpunkt wurde. Davon profitierte vor allem die Backnanger Lederindustrie: Allein im September 1879 wurden im Bahnhof Backnang 120942 Kilogramm Leder verladen. Umgekehrt wurde nun in großer Menge Rinde für die Gerbereien angeliefert. Als 1880 die Strecke von Murrhardt nach Gaildorf fertig war, gab es eine durchgehende Verbindung von Bietigheim nach Schwäbisch Hall-Hessental.

1882 fuhr der erste Schnellzug nach Nürnberg. Da nun die kürzeste Verbindung von Straßburg nach Nürnberg über Backnang führte, hielt 1910 der Express Paris-Warschau in Backnang. 1912 führte der Orientexpress Paris-Wien über Backnang. Eine ebenfalls geplante Verbindung von Backnang über Welzheim nach Schwäbisch Gmünd wurde allerdings nie ausgeführt.

1912 erhielt die Spinnerei Adolff eine eigene Haltestelle, die bis 1982 in Betrieb war. 1961 wurde die Eisenbahnbrücke über die Weißach durch einen Neubau ersetzt. Die Elektrifizierung der Strecke nach Waiblingen und der zweigleisige Ausbau erfolgten drei Jahre später.

Bei der Eröffnung der Bahnlinie nach Waiblingen am 26. Oktober 1876 gab es in Backnang nur ein provisorisches Bahnhofsgebäude. Es folgte aber schnell der Bau eines repräsentativen Empfangsgebäudes, das bei der Eröffnung der Bahnlinie nach Murrhardt am 11. April 1878 eingeweiht werden konnte. Es hatte eine beachtliche Größe: Zwei dreigeschossige Pavillons verband ein etwas niedrigerer Langbau. Das Erdgeschoss war in Naturstein aufgeführt, die großen Rundbogenöffnungen von fein gehauenen Quadern eingefasst und die oberen Geschosse in Backstein gemauert. Von der Stadt erschloss eine offene Vorhalle in Gußeisenkonstruktion den Bau. In einigem Abstand wurde der Güterbahnhof errichtet, dessen Gebäude heute noch vorhanden sind. 1975 wurde das Bahnhofsgebäude abgebrochen und durch einen eingeschossigen Betonbau ersetzt, in den eine unterirdische Direktverbindung zwischen Erbstetter Straße und den Gleisen integriert wurde. Neben dem neuen Bahnhofsgebäude entstand 1988 der Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) mit Parkhaus. 2019 wurde der ehemalige Güterschuppen des Bahnhofs abgerissen und die freigewordene Fläche seitdem für Parkplätze genutzt.  

Kategorie

B Technikforum

B Technikforum
Wilhelmstraße 32
71522 Backnang
Technikforum/(c) Stadtarchiv
Kurzbeschreibung

Ehemalige Montagehalle des Fahrzeug- und Motorenbauunternehmens Kaelble. Seit 2015 Museum für Industriegeschichte mit den Schwerpunkten Kaelble, Spinnerei und Weberei, Gerberei und Leder sowie Nachrichtentechnik. Gleichzeitig Veranstaltungsstätte und Stadtarchiv.

Beschreibung

Das Technikforum Backnang ist zugleich Museum, Archiv, Veranstaltungstätte und Technikwerkstatt für Kinder und Jugendliche. Es zeigt in seinen vier Ausstellungsbereichen zahlreiche Exponate der vier prägenden Zweige der Backnanger Industrie- und Handwerksgeschichte: Spinnerei und Weberei, Gerberei und Lederindustrie, Fahrzeug- und Motorenbau Kaelble sowie Nachrichtentechnik. Diese können während der Öffnungszeit oder im Rahmen einer gebuchten Führung besichtigt werden. Das Technikforum wird zudem für Veranstaltungen und Vorträge genutzt und kann für solche Zwecke auch gemietet werden. Kinder und Jugendliche haben außerdem die Möglichkeit, sich bei der Volkshochschule Backnang für Kurse in der Technikwerkstatt anzumelden.      

Das Ende 2015 eröffnete Technikforum Backnang ist in einer ehemaligen Fabrikhalle des Fahrzeug- und Motorenbauunternehmens Carl Kaelble untergebracht. Einige der Exponate der vier Ausstellungsbereiche wurden von ehrenamtlichen Mitarbeitern vor der Vernichtung gerettet und zum Teil aufwändig restauriert. Informationen über die Ausstellungsstücke sind während den Öffnungszeiten über QR-Codes auf dem Smartphone oder auf museumseigenen iPads abrufbar, die man sich bei einem Besuch ausleihen kann. Im Obergeschoss des Technikforums werden regelmäßig Sonderausstellungen zu Themen aus den vier Ausstellungsbereichen sowie zur Backnanger Industrie-, Technik- und Sozialgeschichte gezeigt.  

Führungen

Nach telefonischer Vereinbarung werden täglich außer sonntags Führungen mit den ehrenamtlichen Mitarbeitern für Gruppen ab 10 Personen durch ein bis zwei Abteilungen angeboten. Gruppen über 15 Personen werden geteilt. Weiterhin können Sonderführungen oder Themenführungen wie lehrplanbezogene Führungen für Schulklassen oder Kinderführungen mit Aktivteil vereinbart werden. Die Führungen sind kostenlos und können unter Tel. 07191 894-452 gebucht werden.  

Technikwerkstatt  

Die Technikwerkstatt leistet einen Beitrag zur technischen Bildung. Hier lernen Kinder und Jugendliche unter der Anleitung von engagierten Dozenten den Umgang mit Werkzeug und Material. Das Kursangebot kann über die Volkshochschule Backnang abgerufen werden unter www.vhs-backnang.de oder Telefon 07191 9667-0.    

Vermietung

Das Erdgeschoss des Technikforums mit seinem außergewöhnlichen Ambiente ist mit modernster Video- und Audiotechnik ausgestattet und kann als Veranstaltungsort gemietet werden. Weitere Informationen erhalten Sie unter Tel. 07191 894-453.

Kategorie

C Ehemalige Untere Mühle

C Ehemalige Untere Mühle
Fabrikstraße 5
71522 Backnang
Untere Mühle/(c) René Straube
Kurzbeschreibung

Mühle schon im Mittelalter erwähnt. Zunächst Nutzung als Getreidemühle, 1870er-Jahre Umbau zu einer Walk- und Lohmühle. 1882/83 Errichtung des schmalen und hohen Backsteingebäudes („Lohmühle Winter“). Heute zu Wohnzwecken genutzt.

Beschreibung

Es ist unklar, seit wann am Standort in der späteren Fabrikstraße eine Mühle besteht. Möglicherweise gehörte sie zu den drei bereits 1245 erwähnten Mühlen. Später wurde sie als Ölmühle genutzt und seit dem frühen 18. Jahrhundert (wieder) als Getreidemühle. Sie wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einer Walk- und Lohmühle umgebaut. Das heute noch bestehende markante Backsteinhaus entstand 1882/83 für Lohmüller Louis Winter nach Plänen von Stadtbaumeister Wilhelm Deufel. Das Lohmühlengebäude wurde bis 1961 zu diesem Zweck genutzt („Lohmühle Winter“) und dient heute zu Wohnzwecken. Mühlkanal und Wehr der ehemaligen Mühle wurden 1957 im Zuge der Murrbegradigung beseitigt.

Kategorie

D Ehemaliges Lehrerseminar

D Ehemaliges Lehrerseminar
Richard-Wagner-Straße 9
71522 Backnang
Kurzbeschreibung

1909 Eröffnung des Lehrerseminars zur Ausbildung von Volksschullehrern. 1934 Nationalpolitische Erziehungsanstalt. 1945 Hilfslazarett. 1946 bis 1952 Durchgangslager für Flüchtlinge und Heimatvertriebene. Seit 1952 hauptsächliche Nutzung als Schulhaus. Heute Mörike Gemeinschaftsschule. Nach der Erweiterung 1992 zusätzlich Schickhardt-Realschule.

Beschreibung

Mit dem kurzen Begriff Seminar bezeichnen viele Backnanger bis heute das Gebäude, das 1906 bis 1909 an der Richard-Wagner-Straße als evangelisches Lehrerseminar errichtet wurde und heute die Mörikeschule und Teile der Schickhardt-Realschule beherbergt. Das markante Jugendstilgebäude prägt mit seinen drei Dachreitern bis heute das Stadtbild. Die bis 1935 bestehende Einrichtung übte große Ausstrahlung auf die Stadt und ihr kulturelles Leben aus. Die Lehrerseminare wurden für die Ausbildung der Lehrer der Volksschulen eingerichtet und galten als Keimzelle der Verbesserung dieser Schulart. Ende des 19. Jahrhunderts herrschte in Württemberg Lehrermangel, dem man durch die Einrichtung eines fünften Lehrerseminars begegnen wollte. Nicht zuletzt dadurch, dass hier seit 1903 in der Gerberstraße 27/29 bereits eine private Präparandenanstalt zur Vorbereitung auf das Lehrerseminar bestand, fiel die Standortwahl auf Backnang.

Am 24. Mai 1909 konnte das nach Plänen von Oberbaurat Albert von Beger errichtete Seminar eingeweiht werden. Es umfasste neben dem Hauptgebäude eine Turnhalle sowie ein Küchengebäude mit Speisesaal und war als Internat eingerichtet. Der Betrieb begann mit drei Kursen und fast 90 Schülern, die von einem neunköpfigen Lehrerkollegium unterrichtet wurden. Die Zahl der Seminaristen schwankte nach dem Ersten Weltkrieg erheblich, sodass zeitweise sogar die Schließung drohte. Zu der kam es 1935, nachdem auch in Württemberg die Hochschulbildung auf die Volksschullehrer ausgeweitet und die Seminare aufgelöst wurden. In den 26 Jahren seines Bestehens wurden im Backnanger Seminar rund 1100 Lehrer ausgebildet. Bereits 1934 war in Räumen des Seminars eine Nationalpolitische Erziehungsanstalt eingerichtet worden, die bis 1945 bestand. Bei Kriegsende diente das Gebäude den amerikanischen Truppen als Hilfslazarett. Anschließend nutzte man es als Unterkunft für Personen, die sich aufgrund des Krieges außerhalb ihrer angestammten Heimat befanden (Displaced Persons). Ab 1950 wurden Flüchtlinge im Seminar untergebracht, darunter 1953 für einige Monate der spätere Bundespräsident Dr. Horst Köhler. Gleichzeitig konnte ein Teil des Gebäudes für Schulzwecke verwendet werden. 1959 beschloss der Gemeinderat, das Seminar vom Land zu kaufen und es für 20 Klassen der Volksschule auszubauen. Nach Abschluss der Umbauarbeiten konnte 1961 die Mörikeschule und nach einer Erweiterung 1992 zusätzlich die Schickhardt-Realschule einziehen.

Kategorie

E Auf dem Hagenbach

E Auf dem Hagenbach
Auf dem Hagenbach 31
71522 Backnang
Kurzbeschreibung

Der Aussichtsplatz auf dem Hagenbach bietet einen schönen Blick auf die Backnanger Altstadt. An dieser hervorgehobenen Stelle wurde 1932 das Bürgerheim als Altenheim der Stadt Backnang errichtet – finanziert durch Spenden des Kaufmanns Eduard Breuninger und des Lederfabrikanten Robert Kaess. Heute gehört das Pflegestift zur Stiftung Altenheime Backnang und Wildberg.

Beschreibung

Seit 1929 gibt es die Bezeichnung Auf dem Hagenbach für den Weg beziehungsweise die Straße zwischen Größeweg und Ludwigstraße. Historisch gesehen, hatte dieses Gebiet allerdings zuvor den Namen Koppenberg. Der Flurname Hagenbach bezeichnete dagegen die Fläche zwischen Aspacher Straße, Größeweg und dem 1888 erstellten landwirtschaftlichen Hofgut Hagenbach. Der Name Hagenbach wurde von Heimatforschern lange Zeit mit einer adeligen Familie und einer Burganlage in Zusammenhang gebracht, was jedoch aufgrund des Fehlens jeglicher schriftlicher Überlieferung mehr als fraglich ist.

Prägend für das Gebiet sind heute die Sportanlagen der TSG Backnang 1846 Turn- und Sportabteilungen mit dem Restaurant „Stadtblick“, das nach einem Brand von 1990 wieder aufgebaute Hofgut Hagenbach mit Bio-Markthalle, Biergarten, Gastronomiegebäuden und Arztpraxen sowie das Alten- und Pflegeheim Bürgerheim. Davor befindet sich ein Aussichtspunkt, der einen schönen Blick auf die Backnanger Altstadt bietet.

Das Bürgerheim ist das zweitälteste Backnanger Altenheim. Die beiden Backnanger Ehrenbürger Kaufhausgründer Eduard Breuniger und Lederfabrikant Robert Kaess stellten für den Bau zusammen 140000 Reichsmark und die Stadt den Bauplatz zur Verfügung. Eröffnet wurde der für damalige Verhältnisse sehr moderne dreigeschossige Flachdachbau am 2. Oktober 1932. Der Entwurf stammt von Oberbaurat Hans Paul Schmohl aus Stuttgart. Das Flachdach und die Betonung der Horizontalen schließen sich Ideen des Neuen Bauens an. Die Verwaltung des Bürgerheimes oblag einem Verwaltungsrat, dem neben Vertretern der Stifter, der Stadtvorstand, der evangelische Pfarrer sowie zwei Bürger der Stadt angehörten. Aufgenommen werden sollten „ehrbare Einwohner beiderlei Geschlechts, die in Backnang mindestens fünf Jahre gewohnt“ hatten. Die Aufnahme erfolgte gegen Kostenersatz. Die Betreuung und Pflege der Bewohner wurde bis 1980 von den evangelischen Schwestern des Herrenberger Verbandes übernommen, wobei eine der Schwestern die Leitung und Aufsicht führte. Etwa ein Jahr nach der Eröffnung hatten 21 Personen eine neue Heimat im Bürgerheim gefunden. 1968 erhielt das Haus einen Aufzug, dessen Bau durch eine großzügige Spende der Familie Kaess möglich geworden war.

Seit 1974 verfügt das Haus über einen Heimbeirat, der von drei Bewohnern gebildet wird. 1996 wurde das Pflegestift Bürgerheim mit 48 Plätzen der Stiftung Altenheime Backnang und Wildberg übertragen.  

Kategorie

F Finanzamt Backnang

F Finanzamt Backnang
Spinnerei 48
71522 Backnang
Finanzamt Backnang/(c) René Straube
Kurzbeschreibung

1906 bis 1910 Bau als Werk II der Spinnerei J. F. Adolff. 1989 Schließung der Spinnerei. Verkauf an Doblinger Industriebau (DIBAG). Grundlegende Sanierung als Teil des Gewerbeparks Spinnerei. Nutzung durch Finanzamt und verschiedene Dienstleister. 

Beschreibung

Das Gebäude Spinnerei 48, das heute unter anderem das Finanzamt Backnang beherbergt, wurde zwischen 1906 und 1910 als neues Werk der Spinnerei J. F. Adolff auf Gemarkung Steinbach errichtet. Die Ursprünge des Unternehmens reichen bis ins Jahr 1832 zurück, als in einer Ölmühle an der Weißach eine mechanische Spinnerei eingerichtet wurde. Zu den daran beteiligten Personen gehörte auch der Tuchscherer Immanuel Adolff aus Backnang. Dessen Sohn Johann Friedrich stieg 1834 in das Unternehmen ein, übernahm es im Jahr 1839 vollständig und gab ihm den Namen Spinnerei J. F. Adolff.

Die nächsten Jahrzehnte waren geprägt durch die Umstellung des Betriebs von der Lohn- zur Verkaufsspinnerei und der Einführung des Baumwollspinnens. Mit der Aufstellung einer ersten Dampfmaschine im Jahr 1863 konnte sich die Spinnerei Adolff nach und nach von der bis dahin genutzten Wasserkraft unabhängig machen und läutete damit eine Phase der Industrialisierung ein, die durch den Eisenbahnanschluss Backnangs in den Jahren 1876 bis 1879 noch erheblich verstärkt wurde. In den rund 30 Jahren danach entwickelte sich das Unternehmen unter der Leitung von Eugen Adolff zu einer der größten Spinnereien im Deutschen Reich und zog ein für Backnang einzigartiges Bauprogramm durch, das die Größe der Fabrikanlage bis 1910 mehr als verdreifachte. Die Zahl der Beschäftigten betrug Ende 1911 bereits 520, darunter auch zahlreiche auswärtige Fabrikarbeiterinnen, die im eigens dafür errichteten „Marienheim“ untergebracht waren.

1912 bekam die Spinnerei Adolff sogar eine eigene Bahn-Haltestelle „Backnang-Spinnerei“, die zu einem deutlichen Anstieg der Pendlerzahlen führte. 1939 beschäftigte die Spinnerei Adolff rund 1650 Mitarbeiter, was zu der Zeit fast einem Drittel aller in Backnang Beschäftigten entsprach. In Ehingen baute man 1958 die damals modernste Baumwollkammgarnspinnerei Europas, in Backnang brachte man 1963 die Streichgarnspinnerei produktionstechnisch auf den neuesten Stand. 1964/65 errichtete die Spinnerei Adolff in Berlin eine Halbkammgarnspinnerei – der erste Neubau eines Industrieunternehmens nach dem Mauerbau. Der damalige Regierende Bürgermeister von Berlin Willy Bandt bezeichnete dies als „mutige unternehmerische Tat“. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte man insgesamt 3471 Mitarbeiter, davon 2305 in Backnang. Mitte der 1970er-Jahre war die Adolff-Firmengruppe mit etwas über 8000 Mitarbeitern und rund 400 Millionen DM Umsatz die drittgrößte Textilgruppe und die mit Abstand größte Spinnerei in Deutschland.

Um der zunehmenden Konkurrenz der Niedriglohnländer zu begegnen, investierte die Spinnerei Adolff in neue Produktionsbereiche. Sie brachte mit der Polital-Faden- und Gewebetechnik sowie dem Poligras-Kunstrasen zwei völlig neue Fertigungsbereiche auf den Markt. Vor allem der Bereich Poligras entwickelte sich positiv, konnte man doch für die Olympischen Spiele 1980 in Moskau zwei Sportfelder liefern. In diesem Jahr entstand auf der Sportanlage Büttenenfeld (heute: Karl-Euerle-Sportanlage) in Backnang auch das erste Poligras-Spielfeld in Baden-Württemberg. Die Verluste aufgrund der Umsatzrückgänge bei Garnen versuchte man durch die Vermietung von frei gewordenen Produktionsflächen auszugleichen, was jedoch nicht gelang. Im August 1989 gab die J. F. Adolff AG die Schließung ihres Produktionsstandortes Backnang bekannt. Das Werksareal wurde an den Münchener Investor Doblinger Industriebau (DIBAG) veräußert, der daraus einen Industrie- und Gewerbepark schuf. 1991 ging die Spinnerei Adolff schließlich in Konkurs.  

Kategorie

Markgrafenhof

Markgrafenhof
Petrus-Jacobi Weg 7
71522 Backnang
Kurzbeschreibung

Benannt nach den Markgrafen von Baden, in deren Herrschaftsbereich Backnang zwischen 1070 und 1300 gehörte. Sie gründeten hier vor 1116 ein Augustiner-Chorherrenstift, bauten Backnang zur Stadt aus und nutzten die Stiftskirche bis Mitte des 13. Jahrhunderts als Grablege.

Kategorie

Michaelsstaffel

Michaelsstaffel
Petrus-Jacobi Weg 5
71522 Backnang
Kurzbeschreibung

Erinnert an die frühere Michaelskirche, von der heute noch der Gotische Chor aus dem 13. Jahrhundert im unteren Teil des Stadtturms vorhanden ist. Das ehemalige Kirchenschiff blieb nach dem Stadtbrand 1693 als Ruine liegen und wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch das sogenannte Turmschulhaus (heute: Galerie der Stadt Backnang) ersetzt.

Kategorie

01 Historisches Rathaus

01 Historisches Rathaus
Am Rathaus 1
71522 Backnang
Kurzbeschreibung

Das historische Rathaus, welches das Stadtbild von Backnang prägt, ist heute noch Sitz eines Teils der Stadtverwaltung. 1599 bis 1601 Bau des Rathauses. 1693 Zerstörung beim Stadtbrand bis auf den steinernen Renaissanceunterbau. 1716/17 Wiederaufbau als Fachwerkgebäude nach Plänen des württembergischen Landesbaumeisters Johann Ulrich Heim. Amtssitz des Oberbürgermeisters. 1981 Brunnen zur Erinnerung an den "Backnanger Gänsekrieg" 1606 bis 1612.

Beschreibung

Das historische Rathaus ist Amtssitz des Oberbürgermeisters und eines Teils der Stadtverwaltung. Das freistehende Gebäude erhebt sich an der winkelförmigen Platzanlage, die aus „Marktplatz“ und dem Platz „Am Rathaus“ gebildet wird. Der Bau wurde zwischen 1599 und 1601 nach Plänen des württembergischen Landesbaumeisters Georg Beer, dem Architekten des Stuttgarter Lusthauses, errichtet. Beim Stadtbrand von 1693 wurde das Rathaus bis auf den steinernen Erdgeschosssockel und die darunter liegenden Keller mit den beiden Gefängniszellen zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte in den Jahren 1716/17.

Über dem steinernen Erdgeschoss mit großen Bogenöffnungen erheben sich zwei Fachwerkgeschosse und der über drei Geschosse reichende Dachstuhl. Die vordere Giebelseite wird von einem achtseitigen Dachreiter mit geschweifter Haube mit Laterne und Wetterfahne bekrönt. Das Fachwerk ist reichhaltig gegliedert. Besonders die Felder unter den Fenstern im zweiten Stock weisen verschiedene Zierformen auf. Die 1725/26 angebaute Dachgaube mit großem Tor an der rechten Seite diente als Zugang für den im Dach untergebrachten Kornspeicher. Ursprünglich muss man sich das Erdgeschoss als offene Halle vorstellen, worauf noch die großen Bogenfenster hinweisen. Aus den Jahren 1599/1601 stammen die Renaissance-Konsolen mit Köpfen. Besonders hervorzuheben sind die aufwändigen Eckkonsolen. Im historischen Rathaus gab es in früheren Zeiten zwei Gefängniszellen: die untere Zelle für Malefikanten (Kapitalverbrecher) während der Untersuchungszeit, die obere Zelle für Bürger, die sich kleinere Vergehen zuschulden kommen lassen hatten und nun mit einer kurzen Arreststrafe büßen mussten. Allerdings war die untere Zelle nur durch die obere zu erreichen, so dass die Bürger, die oben eine Ordnungswidrigkeit absaßen, mit den Schwerverbrechern unten quasi in einer Zelle waren, was zu zahlreichen Beschwerden führte.

Das Erdgeschoss des Rathauses wurde ursprünglich als Markthalle genutzt. Im ersten Stock fanden Tuchmärkte und Tanzveranstaltungen statt. Nur das zweite Geschoss war unterteilt und wies die beiden Ratsstuben auf. Noch aus dem frühen 18. Jahrhundert stammt die Inschrift über der Tür zur großen Ratsstube: „Bey 1 f Straff soll sich Keyner vor die dühren stellen“. Diese Inschrift aus der Zeit der Nichtöffentlichkeit der Ratssitzungen wandte sich gegen Lauscher an der Türe. 1884 erfolgte eine grundlegende Renovierung der Rathaus-Fassaden durch Oberamtsbaumeister Christian Hämmerle. 1937 gestaltete Architekt Rudolf Lempp die beiden Ratssäle neu. 2009/10 kam es zu einer Generalsanierung des historischen Rathauses, wobei unter anderem der Braunton des Fachwerks durch einen Rotton ersetzt wurde. Auch in einigen der Stadtteile sind noch historische Rathäuser vorhanden, die von den Stadtteilgeschäftsstellen genutzt werden.

Kategorie

02 Ehemaliges Stadthaus

02 Ehemaliges Stadthaus
Marktstraße 31
71522 Backnang
Kurzbeschreibung

Das ehemalige Stadthaus im Herzen der Backnanger Altstadt wurde 1625 für den Vogt Jacob Bestlein erbaut. Nach dem Stadtbrand von 1693 wieder aufgebaut, war es zunächst weiter der Amtssitz des Vogts, ehe es im 19. Jahrhundert als Oberamtsgebäude und von 1877 bis 1921 als Postamt genutzt wurde. Danach diente es als Gebäude der Stadtverwaltung (Stadthaus). Seit 2006 ist es in Privatbesitz und beherbergt unter dem Namen „Alte Vogtei“ ein aufwendig saniertes Hotel.

Beschreibung

Das 1625 nach Plänen des württembergischen Stadtbaumeisters Heinrich Schickhardt erbaute Gebäude wurde beim Stadtbrand 1693 bis auf den gewölbten Keller zerstört und 1699 wieder aufgebaut. Mitte des 18. Jahrhunderts diente es zunächst als Sitz des Vogts und später der Behörden des Oberamts. Nach dem Umzug der Oberamtsverwaltung ins umgebaute Schloss im Jahr 1877, wurde das Gebäude zur Post. Nach deren Auszug 1921 nutzten es zunächst das Staatsrentamt (Liegenschaftsamt des württembergischen Staates) und ab 1927 der neue Eigentümer, die Stadt Backnang, als Verwaltungsgebäude („Stadthaus“).

2005 erwarb die Firma Fuhrmann & Benignus das historische Gebäude und sanierte es grundlegend. Dabei wurde das Gebäude, dessen Fachwerk 1968 freigelegt worden war, wieder verputzt und erhielt eine Bemalung mit barockisierenden Elementen. Außerdem wurde der Krüppelwalm entfernt und das Dach entsprechend den umstehenden Gebäuden zu einem Satteldach ergänzt. 2009 erfolgte schließlich die Eröffnung des Hotels „Alte Vogtei“. Eigentümer des Gebäudes ist der ehemalige deutsche Fußballnationalspieler Mario Gomez.  

Kategorie

03 Marktplatz

03 Marktplatz
Kurzbeschreibung

Der Marktplatz wurde schon in früheren Zeiten für Wochen- und Jahrmärkte genutzt. Er war zudem der zentrale Versammlungsort der Bürger mit Wachthäuschen, Driller und Pranger. Von 1876 bis 1878 wurde er komplett neugestaltet. Heute finden auf dem Marktplatz Veranstaltungen wie das classic-opern-air oder das Straßenfest statt.

Beschreibung

Durch die Lage der Innenstadt am Hang hat der Marktplatz ein starkes Gefälle. Die Trichterform entstand durch den Verlauf der Straße vom oberen Tor und die Treppen zur Stiftskirche. So verlaufen die beiden Häuserzeilen schräg zueinander. Der Marktplatz wird beherrscht durch den über dem Platz aufragenden Stadtturm. Ursprünglich befand sich dort die Michaelskirche. Das jetzt an den Turm angebaute Fachwerkhaus wurde als so genanntes Turmschulhaus errichtet. An der oberen Ecke des Platzes und dem Übergang zur Marktstraße erhebt sich die ehemalige Obere Apotheke.

Das untere Ende des Platzes bildet das mächtige Rathaus mit seinem Uhrtürmchen. Dort geht die Fortsetzung der Marktstraße weiter Richtung Sulzbacher Brücke. Am Rathaus knickt der Platz nach Westen ab. Dieser Platz wird heute „Am Rathaus“ genannt. Mittwochs und samstags findet hier und in der benachbarten Uhlandstraße der Wochenmarkt statt. Die Gebäude um den Marktplatz sind größtenteils Fachwerkhäuser aus dem frühen 18. Jahrhundert, die nach dem Stadtbrand von 1693 neu errichtet wurden und steile Giebel vorweisen. Die Keller unter den Gebäuden sind teilweise noch aus dem Mittelalter – diese hatten den Stadtbrand überstanden, allerdings hat man die Häuserfluchten etwas begradigt. Für starke Veränderungen sorgte 1876 bis 1878 die Marktplatzkorrektion, bei der die alten Brunnen verschwanden.

Damals wurde auch das Wachthäuschen verkleinert, das schließlich 1893 ganz abgerissen wurde. Markant ist die Treppenanlage, die zur Stiftskirche hinaufführt. Der Verschönerungsverein stiftete 1912 einen Brunnen. 1924 wurde als Stiftung des Lederfabrikanten Fritz Schweizer das Kriegerdenkmal vor dem Turmschulhaus aufgestellt. Der Marktplatz wird auch für große Veranstaltungen wie das Straßenfest oder das Classic Open Air genutzt. Außerdem findet auf dem Marktplatz der Weihnachtsmarkt statt.  

Kategorie

04 Marktbrunnen

04 Marktbrunnen
Kurzbeschreibung

Der Marktbrunnen ist der letzte der drei historischen Brunnen im Umfeld des Rathauses. Er wurde im Jahre 1912 vom Verschönerungsverein als Zierbrunnen ausgestaltet und zeigt eine von Bildhauer Emil Kiemlen geschaffene Figur eines Wassermanns mit Ammonit.

Beschreibung

Zahlreiche Brunnen sorgten früher für die Versorgung der Einwohner mit Trinkwasser. Auf dem Platz am Rathaus wurde 1587 der sogenannte Löwenbrunnen mit großem Achtecktrog und einem mit Reben umwundenen Balusterstock mit einem das Stadtwappenschild haltenden Löwen errichtet. Im 19. Jahrhundert wurde der Brunnen allerdings entfernt.

Direkt am Rathaus war zudem ein Brunnen mit Viehtränke angebaut. Auch für den Stiftshof sind zwei Brunnen überliefert, die ebenfalls im 19. Jahrhundert zugeschüttet wurden. Im Bereich des heutigen Adenauerplatzes befanden sich beim Gasthaus „Rößle“ eine Wette (Feuersee) und zwei Brunnen. 1875 erfolgte die Wasserversorgung der Stadt durch 14 laufende und 47 Pumpbrunnen. Nachdem seit dem frühen 20. Jahrhundert die Wasserversorgung über Wasserleitungen ausgebaut wurde, entfernte man nach und nach alle Brunnen.

Die neueren Brunnen in der Stadt dienen heute vor allem dekorativen Zwecken. Der Verschönerungsverein schenkte der Stadt 1912 einen Jugendstilbrunnen in einem Gewölbe unter der Staffel am Marktplatz. Dieser zeigt eine von Bildhauer Emil Kiemlen geschaffene Figur eines Wassermanns mit Ammonit. Auch in den Stadtteilen und Teilorten gibt es eine Vielzahl von Brunnen, die errichtet wurden, um die zentralen Plätze zu beleben.

Kategorie

05 Ehemaliges Schulhaus

05 Ehemaliges Schulhaus
Ölberg 10
71522 Backnang
Kurzbeschreibung

Zu den markanten Fachwerkbauten der Stadt zählt auch das ehemalige Schulhaus, in dem lange Zeit sowohl Lateinschule als auch Elementarschule untergebracht waren. Von 1946 bis 1981 wurde es dann von der Volkshochschule genutzt. Heute befindet sich darin eine städtische Kindertagesstätte.

Beschreibung

Die Ursprünge des Schulwesens in Backnang reichen bis ins Mittelalter zurück. Spätestens im 13. Jahrhundert hat es im Augustiner-Chorherrenstift Unterricht gegeben. Auch der Stadtschreiber vermittelte anfangs des 16. Jahrhunderts die Kunst des Lesens und Schreibens. Dann reformierte der württembergische Staat das Schulwesen und stellte die Weichen für getrennte lateinische und deutsche Schulen, aus denen später einerseits die Gymnasien und andererseits die Volksschulen hervorgingen.

Sowohl die Lateinschule als auch die Deutsche Schule waren in Backnang zunächst im selben Schulgebäude (heutiger Ölberg 10) untergebracht. Erst als die Schülerzahlen stark anstiegen, musste die Stadt dringend für neue Unterrichtsräume sorgen und das Gebäude Ölberg 10 wurde für andere Zwecke genutzt. So war beispielsweise zwischen 1946 und 1981 die Volkshochschule darin untergebracht. Heute dient das Gebäude als städtische Kindertagesstätte. Das Nachbargebäude Ölberg 8 ist Sitz der Backnanger Jugendkunstschule mit ihrer Druckwerkstatt und den Keller des Gebäudes Ölberg 12 nutzt das Galli-Theater für seine Vorstellungen.

Kategorie

06 Turmschulhaus

06 Turmschulhaus
Petrus-Jacobi-Weg 1
71522 Backnang
Kurzbeschreibung

An Stelle des ehemaligen Kirchenschiffs der Michaelskirche, das im Jahr 1693 beim Stadtbrand zerstört wurde und zunächst als Ruine liegen blieb, wurde 1816/17 das sogenannte Turmschulhaus in Fachwerkbauweise an den Stadtturm angebaut. Bis ins Jahr 1992 nutzte man das Gebäude als Schulhaus. Heute befindet sich darin die Galerie der Stadt Backnang.

Beschreibung

Als um 1116 in der Backnanger Pfarrkirche ein Augustiner-Chorherrenstift eingerichtet wurde und die Chorherren die Stiftskirche exklusiv nutzen wollten, ließen die Markgrafen von Baden etwas unterhalb für die Backnanger Bevölkerung eine neue Pfarrkirche errichten, die 1122 dem heiligen Michael geweiht wurde. Bei der teilweisen Zerstörung von Backnang durch Heinrich von Neuffen im Zuge der Auseinandersetzungen zwischen Kaiser Friedrich II. und seinem Sohn Heinrich (VII.) im Jahr 1235 dürfte auch die Michaelskirche schwer in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Glanzstück der wiederaufgebauten Michaelskirche, die zu den ersten gotischen Kirchen in Deutschland gehörte, war zweifelsohne der Turmchor mit seinem polygonalen Grundriss, den höchst originellen Kapitellen und dem neunstrahligen Gewölbe.

Der gotische Chor wurde auf Initiative eines Fördervereins 2003/04 aufwändig saniert und kann noch heute im unteren Teil des Stadtturms bewundert werden. Nach der Einführung der Reformation im Jahr 1534 verlor die Michaelskirche ihre Funktion als Pfarrkirche, da die Backnanger Bevölkerung nach der Auflösung des Augustiner-Chorherrenstifts nun in die Stiftskirche zum Gottesdienst ging. Der Kirchturm der ehemaligen Michaelskirche wurde 1614/15 von Landesbaumeister Heinrich Schickhardt zum Stadtturm ausgebaut. Das Kirchenschiff ließ man nach dem Stadtbrand von 1693 als Ruine liegen.

Ende des 18. Jahrhunderts verschlechterte sich die räumliche Situation in der Backnanger Volksschule aufgrund steigender Schülerzahlen dramatisch, sodass man den Neubau eines Schulgebäudes nicht mehr aufschieben konnte. Bei der Suche nach einem geeigneten Platz kam man auf die Idee, an Stelle der kurz zuvor beseitigten Ruine des Kirchenschiffs der ehemaligen Michaelskirche ein Schulhaus an den Stadtturm anzubauen. Das sogenannte Turmschulhaus wurde in den Jahren 1816/17 errichtet und diente danach bis 1992 als Schulgebäude. Seit 1997 ist im Turmschulhaus die Galerie der Stadt Backnang untergebracht. Auf rund 450 Quadratmetern bietet sie Künstlern Möglichkeiten zu Ausstellungen oder zur speziellen Auseinandersetzung mit den historischen Räumlichkeiten. Die Galerie verfügt über ein ambitioniertes Ausstellungsprogramm, das zumeist aktuelle, internationale und junge Positionen zeigt. Während den Öffnungszeiten besteht auch die Möglichkeit, den Stadtturm zu besteigen und von oben den Blick auf Backnang zu genießen.  

Kategorie

07 Stadtturm

07 Stadtturm
Petrus-Jacobi-Weg 3
71522 Backnang
Kurzbeschreibung

Nachdem die Michaelskirche im Zuge der Reformation ihre Funktion verlor, ließ man 1614 nach Plänen des württembergischen Landesbaumeisters Heinrich Schickhardt den ehemaligen Kirchturm um mehrere Fachwerkstöcke erhöhen. So entstand der Stadtturm, das 45 Meter hohe Wahrzeichen der Stadt. Beim Stadtbrand von 1693 zerstörte das Feuer die hölzernen Fachwerkstöcke, die anschließend wieder aufgebaut wurden. Im unteren Teil des Stadtturms befindet sich heute noch der frühgotische Chor der ehemaligen Michaelskirche mit seinem polygonalen Grundriss, dem neunteiligen Gewölbe und reichhaltigen Kapitellen. Das historisch bedeutsame Bauwerk wurde von 2000 bis 2004 aufwendig saniert und ist heute Teil der Galerie der Stadt Backnang.

Beschreibung

Die romanische Michaelskirche entsprach mit ihrem Chorturm dem Typus der mittelalterlichen Pfarrkirchen der Region. Mit dem Bau des polygonalen gotischen Chors in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erhielt der Turm eine neue Form. Seine Erschließung erfolgte über eine in einem unregelmäßigen Strebepfeiler untergebrachte Wendeltreppe. Die oberen Turmgeschosse waren wohl in Fachwerk konstruiert. Sie stürzten 1519 ein. Nachdem die Michaelskirche mit der Reformation ihre Funktion als Gotteshaus verlor, erhöhte der württembergische Landesbaumeister Heinrich Schickhardt 1614 den ehemaligen Kirchturm um weitere Geschosse in einer unregelmäßigen Achteckform. Dadurch entstand der Stadtturm, auf dem ein Hochwächter seinen Dienst versah.

Das Glockengeschoss und der offene Umgang des Stadtturms wurden in Stein ausgeführt. Die obersten Geschosse mit der Türmerwohnung erfolgten in einer Fachwerkkonstruktion. Ein polygonaler Helm und eine Laterne mit schlanker Spitze bekrönten den Bau. Beim Stadtbrand von 1693 wurden die Fachwerkgeschosse zerstört. Baumeister Johann Ulrich Heim leitete 1699 den Wiederaufbau. Die Türmerwohnung wurde wieder in Fachwerk errichtet – aber verputzt. Das polygonale Dach erhielt seinen geschweiften Helm. Erst 1935 wurde das Fachwerk freigelegt. 1999 erfolgte eine umfangreiche Sanierung des 45 Meter hohen Wahrzeichens der Stadt.

Jeden Sonntag vor dem Gottesdienst und jeden Feiertag trifft sich auf dem Stadtturm ein Bläserensemble zu einem freiwilligen Dienst: Die Backnanger Turmbläser intonieren von ihrem erhöhten Standpunkt aus Volkslieder, Choräle und andere, zumeist geistliche Musik. Die wohlklingenden Harmonien von Flügelhorn, Tenorhorn, Euphonium, Tuba, Posaune und Trompete sind jeweils ab 9 Uhr für etwa 20 Minuten im weiten Umkreis zu hören. Die Ursprünge dieser rund 160 Jahre alten Tradition reichen wohl in die Zeit der Reformation oder noch weiter zurück, als ein Hochwächter auf dem Stadtturm saß, der das Horn oder die Trompete blies. Der Turmwächter, der mit seiner Familie im Turm wohnte, hatte einst die Stundenglocke zu läuten und im Brandfall mit Trompete und Glocken die Bürger zu alarmieren.

Kategorie

08 Helferhaus

08 Helferhaus
Petrus-Jacobi-Weg 5
71522 Backnang
Kurzbeschreibung

Das Helferhaus war früher das Wohnhaus des zweiten Stadtpfarrers. Heute ist es Sitz des Heimat- und Kunstvereins, der es für Vorträge und Ausstellungen nutzt. Außerdem zeigt das städtische Graphik-Kabinett in dem Gebäude wechselnde Ausstellungen mit Exponaten aus der Ernst-Riecker-Stiftung (Schwerpunkt altdeutsche und niederländische Druckgraphik des 16. Jahrhunderts).

Beschreibung

Das 1583 erstmals erwähnte Kulturdenkmal diente über Jahrhunderte als Wohnhaus des zweiten Stadtpfarrers (= Diakon oder Helfer) und Diakonat. 1962 kam es in den Besitz der Stadt und wurde später dem Heimat- und Kunstverein überlassen, der darin 1968 das Museum Helferhaus eröffnete. Heute wird das Helferhaus für Vorträge („Altstadtstammtisch“) und Ausstellungen genutzt. Im Helferhaus präsentiert das zur Galerie der Stadt Backnang gehörende Graphik-Kabinett seit 2002 in wechselnden Zusammenstellungen die Ernst-Riecker-Stiftung. Dabei handelt es sich um eine hochkarätige Privatsammlung, die der Apotheker Ernst Riecker seiner Geburtsstadt im Jahr 1918 testamentarisch vermachte. Sie umfasst rund 1600 Blätter Druckgraphik vom 15. bis zum 19. Jahrhundert und wurde mittlerweile von Seiten der Stadt Backnang um rund 400 Blätter ergänzt.

Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf der altdeutschen und niederländischen Druckgraphik des 16. Jahrhunderts. Besonderes Gewicht kommt hierbei den Blättern von Albrecht Dürer als dem Sammlungskern zu: Mit 75 Blättern und damit gut einem Viertel seines graphischen Werks ist er eindrucksvoll vertreten. Die Sammlung kann außerdem über 20 qualitativ herausragende Kupferstiche von Lucas van Leyden ihr eigen nennen. Im Bereich der altdeutschen Graphik finden sich neben Dürer hochrangige Blätter von Martin Schongauer, Israhel van Meckenem, Lucas Cranach dem Älteren, Albrecht Altdorfer, Heinrich Aldegrever, Georg Pencz sowie Barthel und Hans Sebald Beham. Der Barock ist beispielsweise mit Drucken von Annibale Caracci, Pietro Testa und Antonio Tempesta vertreten. Thematische Schwerpunkte bilden religiöse Darstellungen, Porträts und Landschaften.

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09 Bandhaus

09 Bandhaus
Petrus-Jacobi-Weg 7
71522 Backnang
Kurzbeschreibung

Der Name Bandhaus rührt daher, dass der Keller des Gebäudes schon vom Augustiner-Chorherrenstift im Mittelalter als Weinlager genutzt wurde und um die Weinfässer „Bänder“ gebunden waren.  Heute befinden sich im Bandhaus die Jugendmusik- und Kunstschule Backnang sowie das Bandhaus Theater und Professor Pröpstls Puppentheater.

Beschreibung

Der Name Bandhaus rührt daher, dass der Keller des Gebäudes schon vom Augustiner-Chorherrenstift als Weinlager genutzt wurde und um die Weinfässer „Bänder“ gebunden waren. 1583 ist die Rede von einem neu erbauten Kornkasten, unter dem sich das Bandhaus und ein großer Keller befanden. 1693 wurde das Gebäude beim Stadtbrand zerstört, anschließend wieder aufgebaut und erneut zur Lagerung von Getreide genutzt. 1837 erwarb die Stadt Backnang das Bandhaus und nutzte es nach einem Umbau als Schulgebäude. 1905 erhöhte man es um ein Stockwerk und versah es mit einem markanten Jugendstilgiebel, der 1958/59 bei einem erneuten Umbau wieder entfernt wurde. Der historische Keller des Bandhauses wurde ab 1997 vom Nögge-Theater genutzt und war von 2003 an zehn Jahre lang das Domizil des Traumzeit-Theaters. Seit 2013 wird er unter dem Namen Bandhaus-Theater Backnang von den Theaterpädagoginnen Jasmin Meindl und Juliane Putzmann bespielt, während die kleine Bühne von Puppenspieler und Bildhauer Gregor Oehmann genutzt wird. In den restlichen Räumen des Bandhauses war seit 2000 das städtische Kulturamt untergebracht. 2012 zog die Backnanger Jugendmusik- und Kunstschule in das aufwändig sanierte Gebäude ein.

Kategorie

10 Stiftskirche St. Pancratius

10 Stiftskirche St. Pancratius
Stiftshof 7
71522 Backnang
Kurzbeschreibung

Die Stiftskirche ist seit der Reformation Hauptkirche der evangelischen Kirchengemeinde. Das ursprüngliche Gebäude war seit 1116 Bestandteil eines Augustiner-Chorherrenstifts, das von den Markgrafen von Baden eingerichtet wurde. Sterbliche Überreste von Mitgliedern der badischen Markgrafenfamilie befinden sich heute noch in der Krypta der Stiftskirche. Um 1500 erhielt die Kirche einen spätgotischen Anbau, in dem auch eine erste Orgel untergebracht war. Beim Stadtbrand von 1693 wurde das Kirchenschiff derart in Mitleidenschaft gezogen, dass es komplett neu errichtet werden musste. Dadurch entstand das heutige Aussehen der Stiftskirche.

Beschreibung

Die ehemalige Stiftskirche auf dem Burgberg nimmt bis heute eine das Stadtbild prägende Rolle ein. Von der Stadt aus erkennt man zuerst den wuchtigen schmucklosen Saalbau, der typisch ist für eine protestantische Kirche. Geradezu lieblich muten dagegen die Jugendstilfreitreppen an. Beim Blick von der Bleichwiese dominiert der spätgotische Chor das Bild, während man bei genauer Betrachtung sogar romanische Fenster zu erkennen vermag.

Tatsächlich gehen die ältesten Partien des Baus auf eine romanische Kirche zurück, die im 12. Jahrhundert als Zentrum des Augustiner-Chorherrenstifts errichtet wurde. Das Aussehen dieser romanischen Kirche kann in groben Zügen rekonstruiert werden: Es handelte sich um eine dreischiffige Basilika ohne Querschiff. Die Decken waren vermutlich flach gedeckt. An das Mittelschiff schloss sich ein Chor an. Die Seitenschiffe endeten in kleinen Kapellen, über denen sich die beiden Türme erhoben. Die Kapellen besaßen kleine Apsiden, die äußerlich nicht in Erscheinung traten. Unsicher ist der Abschluss des Hauptchors. Es kann eine große Apsis vermutet werden. Unter dem Hauptchor befand sich eine Krypta, die stark überarbeitet noch vorhanden ist. Auch die beiden Türme sind erhalten und zeigen oben noch die markanten Rundbogenarkaden auf.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde die Apsis abgetragen und der große spätgotische Chor mit seinem weit gespannten Sternnetzgewölbe errichtet, der in seiner Dimension der Länge des Hauptschiffs entsprach. Dazu wurde das Fußbodenniveau des Chors tiefer gelegt und deshalb die Krypta aufgegeben. Nördlich des Chors entstand ein zweigeschossiger Anbau für Sakristei und Bibliothek. Zwischen den beiden Türmen wurde ein Lettner mit Empore eingezogen, um den Laienbereich deutlicher abzugrenzen. Außerdem bekam die Stiftskirche eine erste Orgel. Spätestens ab 1537 wurde die Kirche (mit  Unterbrechungen 1548 bis 1552 und 1635 bis 1648) für evangelische Gottesdienste genutzt. Nach der Reformation wurden innen Emporen eingezogen und 1577 die beiden Türme durch einen Fachwerkaufbau mit Dachreiter miteinander verbunden. Beim Stadtbrand 1693 brannte die Kirche komplett aus. Von der alten gotischen Ausstattung blieben nur zwei Schränke erhalten. Provisorisch wurde der Chor, dessen Gewölbe stehen geblieben waren, als Notkirche genutzt. Bereits 1694 errichtete man dann über dem Chor wieder einen Dachstuhl. Das dreischiffige Langhaus war durch den Band derart in Mitleidenschaft gezogen worden, dass man es komplett abtragen musste und durch einen stützenfreien Saalbau ersetzte, was auch dem evangelischen Gottesdienst mehr entsprach. Zur Unterbringung der Gottesdienstbesucher wurden Emporen eingezogen, der Lettner wurde entfernt und die Orgel 1702 auf die Empore im Chor verlegt. 1895 wurde die Kirche durch Heinrich Dolmetsch restauriert und neogotisch umgestaltet. Dabei wurde im Chor eine neue Orgel des Ludwigsburger Orgelbauer Eberhard Friedrich Walcker eingebaut. Äußerlich erfolgte 1913/14 eine Neugestaltung des Schiffs durch Theodor Dolmetsch und Felix Schuster in Jugendstilformen.

1929 erfolgte eine Veränderung des Inneren durch die Architekten Werner Klatte und Richard Weigle. Hier wurde die Krypta ausgegraben, tiefer gelegt und in neuen Formen rekonstruiert. Darin sind seitdem sind die Überreste der verschiedenen Mitglieder der badischen Markgrafenfamilie untergebracht. 1973 wurde der Außenbau erneuert. Die letzte Generalsanierung der Stiftskirche fand zwischen 2015 und 2021 statt. Seitdem erstrahlt die Stiftskirche innen und außen in einem völlig neuen Licht.

11 Freithof

11 Freithof
Kurzbeschreibung

Der hinter der Stiftskirche gelegene Freithof war vor der Einrichtung des Augustiner-Chorherrenstifts im frühen 12. Jahrhundert der städtische Friedhof. Sein Name rührt vermutlich aber daher, dass der gesamte Bereich später zum Stift gehörte und damit abgabenfrei war.

Beschreibung

Der hinter der Stiftskirche gelegene Freithof war vor der Einrichtung des Augustiner-Chorherrenstifts um 1116 der Friedhof der Pfarrgemeinde Backnang. Danach wurden dort die Chorherren begraben. Der Name Freithof stammt vermutlich daher, dass der gesamte Bereich zum Stift gehörte und damit abgabenfrei war. Gelegentlich wird der Platz auch für Veranstaltungen genutzt, wie etwa 2017 für das Freilichtspektakel „Judith von Backnang“, einem Historienstück des Bandhaus Theaters zur 950-Jahr-Feier der Stadt Backnang oder 2022 für das Theaterstück „Backnanger Gänsekrieg".  

 

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12 Evangelisches Dekanat

12 Evangelisches Dekanat
Stiftshof 9
71522 Backnang
Kurzbeschreibung

Zur Zeit des Augustiner-Chorherrenstifts stand in diesem Teil des Klosterareals das Refektorium (Speisesaal) der Chorherren. Nach dem Stadtbrand von 1693 wurde stattdessen das heute noch vorhandene evangelische Dekanatsgebäude erbaut.

Beschreibung

Zur Zeit des Augustiner-Chorherrenstifts beherbergte dieser Teil des Klosterareals das Refektorium (Speisesaal) der Chorherren. Nach der Reformation zog der evangelische Pfarrer in das Gebäude ein.                                                                                       Vier Jahre nach dem Stadtbrand von 1693 wurde es als Sitz des Dekanats und Wohnung des Dekans wieder aufgebaut. Das Gebäude im Stiftshof 9 dient noch heute diesem Zweck.  

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