ADFC Fahrradklima-Test 2020

Sofortmaßnahmen für den Radverkehr greifen - Positiver Trend beim ADFC-Fahrradklima-Test 2020

Der ADFC-Fahrradklima-Test ist die weltweit größte Umfrage zur Zufriedenheit der Radfahrerinnen und Radfahrer mit den Rahmenbedingungen für den Radverkehr in ihrem Wohnort. Sie vergeben dabei Schulnoten für insgesamt 27 Kriterien in den Kategorien Fahrrad- und Verkehrsklima, Stellenwert des Radfahrens, Sicherheit beim Radfahren, Komfort beim Radfahren sowie Infrastruktur und Radverkehrsnetz. Die Befragung fand im Herbst 2020 zum neunten Mal statt und ist nun ausgewertet.

In Backnang wurde dabei eine Rekordbeteiligung erreicht: 208 Bürgerinnen und Bürger haben die Gelegenheit genutzt, über die Internetseite www.fahrradklima-test.de ihre persönliche Bewertung der Stärken und Schwächen des Radverkehrs in der Stadt abzugeben. Seit 2016, als die Stadt mit 63 ausgefüllten Fragebögen erstmals die für eine Einzelauswertung erforderliche Mindestzahl von 50 erreicht hatte, ist also ein Zuwachs auf mehr als das Dreifache innerhalb von vier Jahren zu verzeichnen. Die Rücklaufquote war mit 56 pro 10.000 Einwohner deutlich höher als in den meisten vergleichbaren Städten. Für Volker Knödler, den städtischen Fahrradbeauftragten, ist dies ein deutliches Zeichen für den Bedeutungsgewinn des Fahrrads als Alltagsverkehrsmittel auch in der Murr-Metropole. Er bedankt sich bei allen Teilnehmenden für ihr Engagement und sieht das als Motivation, weiter engagiert an der Verbesserung der Radinfrastruktur zu arbeiten.

In der Gesamtbewertung von 4,15 sieht Knödler eine erste Bestätigung für die begonnene systematische Umsetzung des Radinfrastrukturkonzepts (RIK). „Vor vier Jahren lagen wir noch bei 4,45 und vor zwei Jahren bei 4,39 - die Sofortmaßnahmen greifen“, sagt er und verweist insbesondere auf die deutlich verbesserte Bewertung in der Frage nach der Fahrradförderung in jüngster Zeit. Mit der Note 3,6 gab es hier eine deutliche Verbesserung gegenüber 2018 (4,7) und 2016 (4,8). Im Durchschnitt der vergleichbaren Ortsgrößenklasse (20.000 – 50.000 Einwohner) haben die Radlerinnen und Radler bei dieser Frage lediglich eine 4,2 vergeben. Auch insgesamt sei ein deutlich positiver Trend zu verzeichnen. Gegenüber 2018 hat Backnang in 14 der insgesamt 27 jährlich identischen Fragestellungen eine bessere Bewertung erreicht, keine einzige wurde schlechter benotet. Auch in allen fünf Themenkategorien hat sich die Durchschnittsnote seit 2016 verbessert (vgl. Grafik). „Mit Rang 309 von bundesweit 415 ähnlich großen Kommunen ist natürlich noch Luft nach oben“, sagt Knödler, „aber andererseits haben wir damit erstmals einen nennenswerten Teil des Feldes hinter uns gelassen.“ Zudem nähere sich die Gesamtnote dem tendenziell sinkenden Bundesdurchschnitt dieser Ortsgrößenklasse an. 2016 lag Backnang noch um 0,75 darunter, 2020 nur noch um 0,25.

Betrachtet man das Backnanger Ergebnis genauer, so zeigt sich ein durchaus differenziertes Bild. In sechs der 27 Kriterien ist die Bewertung besser als der Durchschnitt der Ortsgrößenklasse, in den meisten anderen nur wenig schlechter oder gleich. Lediglich vier Fragen wurden in Backnang mit einer Differenz von mehr als 0,4 Notenstufen schlechter bewertet:

  • Öffnung von Einbahnstraßen in Gegenrichtung (4,2 / Durchschnitt 3,2)
  • Fahrrad als Verkehrsmittel für alle Altersklassen (3,9 / Durchschnitt 3,0)
  • Verfügbarkeit öffentlicher Leihräder (5,3 / Durchschnitt 4,8)
  • Zügige und direkte Erreichbarkeit von Zielen (3,5 / Durchschnitt 3,0)

„Genau an diesen Punkten möchten wir mit unseren nächsten Schwerpunkten der Umsetzung des RIK ansetzen“, sagt Knödler. In diesem Jahr wird die Stadt beispielsweise beim Land einen Förderantrag für die Realisierung einiger größerer Maßnahmen mit Routenbezug einreichen. Einbezogen werden sollen hier die Maubacher Straße und die Straße Im Seefeld als wichtige Schulwegroute, der Straßenzug Eugen-Adolff-Straße – Annonay-Straße sowie die Verbindung zwischen Heiningen und Waldrems (Tübinger Str./Neckarstr.). Auch weitere Abstellbügel in der Innenstadt sind geplant. Mit einer Kombination von Zuschüssen aus dem Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (LGVFG) und dem Sonderprogramm „Stadt und Land“ kann hier eine Förderquote von bis zu 90% erreicht werden. Auch die Einrichtung von Stationen des Verleihsystems RegioRadStuttgart soll über ein Förderprogramm des Verbands Region Stuttgart konkretisiert werden. Schließlich plant Knödler die Herausgabe einer Radverkehrsbroschüre mit Informationen zum Radroutennetz, zu wichtigen verkehrsrechtlichen Bestimmungen sowie Tipps rund ums Fahrrad. 2021 soll zudem die Radschulwegeplanung neu konzipiert werden. „Und das Thema Freigabe von Einbahnstraßen steht ganz oben auf der Liste. Gemeinsam mit den beteiligten Fachämtern und Behörden möchte ich alle Einbahnstraßen in der Stadt diesbezüglich überprüfen“, so Knödler.

Im Rems-Murr-Kreis sind neben Backnang sieben weitere Städte in die Auswertung einbezogen. Am besten schneidet Urbach mit der Gesamtnote 3,61 ab, auf Rang zwei liegt Fellbach mit 3,71. Weinstadt erreicht eine 3,97. Waiblingen, Schorndorf und Winnenden wurden jeweils mit 4,06 bewertet. Die Gemeinde Burgstetten, die erstmals ausgewertet wurde, hat 4,01 erreicht.

Das bundesweit beste Ergebnis erzielte die kleine Gemeinde Wettringen im Münsterland, die mit einer Gesamtbewertung von 1,96 als einzige Kommune eine Eins vor dem Komma vorweisen kann. In der Backnanger Stadtgrößenklasse wurde Baunatal bei Kassel mit 2,39 am besten bewertet.

„Bis zu einem solchen Ergebnis ist es für Backnang noch ein weiter Weg“, gibt sich Knödler realistisch. „Aber wir möchten mit weiteren Investitionen in die Infrastruktur das Fahrrad als Verkehrsmittel in der Stadt attraktiver machen und noch mehr Menschen aufs Rad bringen. Nicht zuletzt auch mit Blick auf einen geringeren CO2-Ausstoß und das Ziel der Klimaneutralität.“ Beim nächsten Fahrradklima-Test in zwei Jahren strebt der Fahrradbeauftragte eine Note mit einer Drei vor dem Komma an. Dass dafür noch einiges zu tun ist, sieht er als Herausforderung für alle mit der Mobilitäts- und Stadtentwicklung befassten Ämter der Stadtverwaltung an.

Zusammenfassende Darstellungen zu den Ergebnissen in Baden-Württemberg und in Backnang stehen unten zum download bereit. Alle Ergebnisse und weitere Informationen zum Fahrradklima-Test 2020 können auf der Internet-Seite www.fahrradklima-test.de abgerufen werden.

Kontakt und weitere Informationen

StadtplanungsamtHerr Volker Knödler (Fahrradbeauftragter)Telefon: 07191 894-271volker.knoedler@backnang.de

Typ Name Datum Größe
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pdf Ergebnisbericht BW ADFC Fahrradklimatest 2020 Pressekonferenz 210322 29.03.2021 2,467 MiB