Ausstellung „Zu neuen Ufern – Künstler auf Reisen“ im städtischen Graphik-Kabinett

7. Juli bis 25. Oktober 2026

Bildunterschrift 01: Anonym, Aetna in Sicilien, Kupferstich, frühes 19. Jahrhundert
Fotos: Janine Kyofsky

Seit jeher hielten Künstler das, was sie auf ihren Reisen gesehen haben, in Zeichnungen fest, aus denen nicht selten Druckgraphiken wurden. Die Ausstellung „Zu neuen Ufern – Künstler auf Reisen“ zeigt dazu ab 7. Juli im städtischen Graphik-Kabinett im Helferhaus, Petrus-Jacobi-Weg 5, eine neue Ausstellung. Sie macht anhand von ausgewählten Werken aus der Backnanger Ernst-Riecker-Sammlung sichtbar, wie die durch die Dampfmaschine revolutionierten Verkehrswege neue, weit entfernte Reiseziele erschlossen und den künstlerischen Horizont erweiterten. Zugleich entstanden neue Märkte für Druckgraphiken: Andenkenblätter, Veduten und Guckkastenbilder wurden zu beliebten Reisesouvenirs.

Reisen bedeutet Bewegung – durch Räume, Kulturen und Ideenwelten. Kaum ein Thema hat die Kunstgeschichte über Jahrhunderte hinweg so nachhaltig geprägt wie die Erfahrung des Unterwegsseins. Lange bevor die Fotografie das Reisen dokumentierte, waren es Künstlerinnen und Künstler, die Landschaften, Städte, Menschen und Begegnungen mit Stift, Pinsel und auf der Druckplatte festhielten. Ihre Werke wurden zu Zeugnissen von Entdeckergeist und kulturellem Austausch. Die Ausstellung „Zu neuen Ufern. Künstler auf Reisen“ verfolgt diese Geschichte vom ausgehenden Mittelalter bis in das Industriezeitalter und zeigt, wie Reisen nicht nur den Blick auf die Welt, sondern auch die Kunst selbst veränderte.

Den Auftakt bildet eine Epoche, in der sich das europäische Weltbild grundlegend wandelte. In Werken wie der Schedelschen Weltchronik erscheint die Welt erstmals als kartographisch und bildlich erfassbarer Zusammenhang. Fremde Städte, ferne Länder und biblische Schauplätze wurden, oft auf Berichten Dritter basierend, mittels Druckgraphiken sichtbar gemacht und vermittelten den Zeitgenossen den Eindruck, ferne Welten unmittelbar betrachten und erkunden zu können.

Bildunterschrift 02: Herman van Swanevelt, Landschaft mit Kardinal, Radierung, um 1635-1650
Fotos: Janine Kyofsky

Mit der Renaissance wurden Künstler zunehmend selbst zu Reisenden. Ihre Wege führten sie als Handwerksgesellen, Hofkünstler, Pilger oder Gelehrte durch Europa. Zu den prägenden Figuren dieser Epoche zählt Albrecht Dürer, der die Welt in seinen Reisezeichnungen und Tagebüchern mit unermüdlicher Aufmerksamkeit erkundete. Seine Reisen eröffneten ihm neue Perspektiven und wurden zu einem wichtigen Impuls künstlerischer Erneuerung.

Auch die Landschaft rückte zunehmend ins Zentrum des Interesses. Der niederländische Zeichner und Radierer Anthonie Waterloo gehört zu jenen Künstlern, die ihre Umgebung mit bemerkenswerter Präzision studierten. Seine auf Reisen entstandenen Zeichnungen verbinden Naturbeobachtung mit künstlerischer Gestaltung und lassen die Landschaft als Erfahrungsraum sichtbar werden. Sie dokumentieren eine Zeit, in der das Reisen noch langsam, beschwerlich und zugleich intensiv war.

Seit dem 17. Jahrhundert zog die „Grand Tour“ als klassische Bildungsreise nach Italien Generationen von Künstlern, Gelehrten und Aristokraten an. Sie ermöglichte die unmittelbare Begegnung mit bedeutenden Kunstwerken, antiken Stätten und kulturellen Zentren Europas.

Bildunterschrift 03: Louis Le Coeur (nach Luigi Mayer), Vue de la Place Principale de Grand Caire (Guckkastenbild), um 1812-14, handkolorierte Radierung und Aquatinta
Fotos: Janine Kyofsky

Mit dem Aufkommen von Dampfschiff und Eisenbahn im 19. Jahrhundert veränderte sich das Reisen grundlegend. Entfernungen schrumpften, Reisezeiten verkürzten sich, und immer mehr Menschen konnten ferne Orte erreichen. Zugleich entwickelte sich eine neue Bildkultur: Druckgraphiken wurden zu begehrten Erinnerungsstücken, Veduten, Panoramaansichten und Guckkastenbilder verbreiteten Ansichten berühmter Reiseziele und brachten die Ferne in die Wohnzimmer Europas. – Die inhaltlich verwandte, derzeit noch im Graphik-Kabinett gezeigte Ausstellung „Unter Dampf“, die die epochalen Veränderungen durch die Erfindung der Dampfmaschine illustriert, läuft noch bis 5. Juli. Der Eintritt in die Ausstellung ist frei. Die regulären Öffnungszeiten des städtischen Graphik-Kabinetts sind Dienstag bis Freitag von 16.00 bis 19.00 Uhr sowie Samstag von 11.00 bis 18.00 Uhr und Sonntag von 14.00 bis 18.00 Uhr. Achtung: Ab dem 15. September ändern sich die Öffnungszeiten wie folgt: Dienstag bis Freitag von 15.30 bis 18.00 Uhr sowie Samstag von 11.00 bis 17.00 Uhr und Sonntag von 14.00 bis 17.00 Uhr.

Feiertagsregelung:
Tag der Deutschen Einheit (3. Oktober) geöffnet von 14.00 bis 17.00 Uhr.

Vorschau:
7. November 2026 bis 7. März 2027 Inspiration Rom – Auf den Spuren der ewigen Stadt